Montag, 25. April 2016

HowTo: Motorradprüfung - Prüfungsangst, Vorbereitung, Erfahrungswerte!

Grüß euch,

Ich selber besitze seit nunmehr 11 Jahren den Führerschein der Klasse B, habe viele verschiedene Fahrzeuge mit Front & Heckantrieb besessen, mit Automatik oder Schaltung, Diesel oder Benzin, Sauger oder Turbomotor. Ich habe viele 10 tausende Kilometer abgespult, mal etwas schlimmer, mal etwas braver aber auf jedenfall war jeder dieser Kilometer lehrreich.

Ich bin auch schon mit Traktoren oder mit LKWs gefahren, nur noch nie mit einem Motorrad, oder mit einem geschaltenen Moped.

Und abgesehen von wenigen Metern mit einer Puch Maxi, was eigentlich als Fahrrad mit Tretunterstützung gesehen werden kann, hab ich keine Erfahrung mit motorisierten Zweirädern gehabt.

Ich konnte nur mit viel Fahrrad-Erfahrung aufwarten, vor allem im Wiener Straßenverkehr. Das kann also als absolute Basis-Erfahrung der Zweirad-Dynamik durchgehen :)


Was benötigt man in Österreich z.B.? ( wenn B vorhanden )
- positives Amtsarzt-Gutachten
- 4 Fahrstunden am Übungsplatz
- 10 Fahrstunden im Straßenverkehr ( 12h ab 39 Jahren )
- 6 Stunden Theoriekurs
- Theorieprüfung A
- Praxisprüfung A

Seit 1. März 2016 gibt es für Österreich einen aktualisierten Fragenkatalog welcher sich durch zeitgemäße Bilder und moderne Fragenstellung auszeichnet. Keine Angst, es ist nicht schwerer als vorher - ich habs selber verglichen und beide Prüfungen absolviert, ich konnte mit dem selben Wissensschatz beide gleichwertig meistern - solang man sich mit dem Thema auseinander setzt, hat man schon gewonnen.

Es gibt bspw. eine tolle kostenlose Smartphone-App vom ÖAMTC und diverse Lern-Varianten um den Fragenkatalog abzuarbeiten ( Buch, Fahrschul CD oder USB-Stick ). Hier bleibt es jedem selbst überlassen wie gelernt wird. Mir hat die Kombination aus Buch & Apps absolut genügt.


Ich habe für mich persönlich folgende Reihenfolge getroffen gehabt:
Amtsarzt - Theoriekurs - Theorieprüfung - Fahrstunden am Übungsplatz - Fahrstunden im Straßenverkehr - praktische Fahrprüfung

Erschien mir als die beste Lösung, denn nach bestandener Theorieprüfung kann man sich einzig und allein auf _das fahren_ konzentrieren.


Also legen wir los: 1 N 2 3 4 5 6, wat?

Das manuelle Getriebe beim Motorrad ist in den allermeisten Fällen sequenziell angeordnet und gerade verzahnt, das heißt man kann die Reihenfolge nicht verändern wie beim Auto ( vom 3ten in den 5ten Gang schalten z.B. ), und das Getriebe surrt wie der Rückwärtsgang bei Autos, welcher auch fast immer gerade verzahnt ist. Jede Aufwärtsbewegung ist +1 Gang, jede Abwärtsbewegung ist -1 Gang - zwei Besonderheiten: Zwischen Gang 1 und Gang 2 ist die Neutralstellung, und um von dieser Neutralstellung mit Gang 1 zu beginnen, muss man einmalig den Ganghebel nach unten bewegen.

Also der Ablauf beim wegfahren und beschleunigen bis in den letzten Gang ist wie folgt: Neutralposition -> 1x runter ( Gang 1 ) -> 5 x hoch ( dabei von 1 auf 2 die Neutralstellung überspringen, das macht man intuitiv ). Schwer zu erklären, das muss man einfach ausprobiert haben dann ist es nach kurzer Zeit eine "Lebenseinstellung" :)

Hierzu ein Video:



Neben dem braven studieren des Theoriebuches habe ich auch viel Zeit damit verbracht Videos im Internet anzusehen. Neben den diversen Fail-Compilations, Verfolgungsjagden, Burnout-Sessions gibt es auch sehr viele Videos aus dem alltäglichen Leben eines Motorradfahrers.
Hierzu einige Channels die mir Vorweg schon einen gewissen Eindruck vermittelt haben womit ein Motorradfahrer im Straßenverkehr konfrontiert werden kann.





Ich hab mich mit den vielen Erfahrungen aus Videos und mit den Erzählungen von Freunden & Kollegen meiner Meinung nach so gut wie möglich mit dem Thema auseinander gesetzt, und genau darum geht es im Vorfeld wenn man es ernst meint.

Wie läuft nun die praktische Prüfung ab?

Die praktische A-Prüfung ( in Österreich ) besteht im Grunde aus folgenden drei Teilen:
- Parcours am Übungsplatz absolvieren
- Technische Fragen
- Fahren im Straßenverkehr
Der Parcours in Österreich besteht aus:
- zwei komplette 8er um Pylonen
- Slalom in Schrittgeschwindigkeit um Pylonen
- rechts abbiegen aus dem Stand
- Zielbremsung aus 30km/h
- Gefahrenbremsung aus mindestens 50km/h, maximal 70km/h
- Ausweichmanöver aus mindestens 50km/h, maximal 70km/h

Die 8er sollte gleichmäßig gefahren werden mit korrekter Blickführung, leichtes rausbeschleunigen aus dem Lenkmanöver und vom Gas gehen vor dem erneuten einlenken.

Der Slalom wird mit Schrittgeschwindigkeit gefahren und soll die Fähigkeit zur Balance zeigen, deswegen wird auch auskuppeln und einkuppeln verlangt um die Geschwindigkeit weiter zu drosseln. Eine Geschicklichkeits-Übung.

Das rechts abbiegen aus dem Stand erfordert die richtige Blicktechnik, die richtige Fußposition und das Geschick zur Neigung/drücken des Gefährts aus dem Stand.

Die Zielbremsung aus Tempo 30 in eine abgesteckte Box ist noch die leichteste Übung, einfach drauf losfahren.

Die Gefahrenbremsung aus min. Tempo 50 könnte erweist sich schon als schwieriger, erfordert es doch ordentlich Beschleunigung und eine darauffolgende saftige Bremsung. Hier macht Übung den Meister.

Beim Ausweichmanöver aus min. Tempo 50 muss man mit dem Motorrad einfach eins sein, so wie auch beim fahren später - man muss sich dynamisch mit bewegen und dem "Flow" folgen. Popometer, Hallo!

Hat man diese Punkte absolviert, kommt man zum technischen Part. Wo ist der Lichtschalter? Wo kann man den Ölstand kontrollieren? Was ist ein Bremsflüssigkeitsbehälter?

Hierbei sollte man sich einfach im Vorfeld darüber informieren: Welches Motorradmodell fahre ich in der Fahrschule und über welche technischen Merkmale verfügt es? Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete. 
Der Fahrlehrer wird bei Gelegenheit auch jede Frage beantworten, dessen bin ich mir sicher :)

Dann das fahren auf der Straße:  In die Motorradpanier, aufsatteln, losfahren. Mit dem Fahrlehrer im Ohr geht es los. Wenn man bereits länger Autofahrer ist, kennt man bereits die Gepflogenheiten aber auch viele Blödheiten. Bei der Fahrprüfung zeigt man sich von seiner besten Seite, Schulter & Spiegelblicke ganz nach dem Lehrbuch, Geschwindigkeit nach Tacho einhalten, Blinker rechtzeitig setzen ( UND! rechtzeitig ausschalten ) und auch den Überblick behalten und dies dem Prüfer signalisieren. Aufmerksames Blickverhalten, ein vorsichtiger Fuß auf dem Bremshebel ab und zu und man hat die Gunst des Prüfers schon gewonnen. 

Abgesehen von der Prüfung ist vorsichtiges und vorausschauendes nicht nur bei dieser notwendig. Man hat nur ein Leben und auch eine Verantwortung der Allgemeinheit gegenüber, denkt immer daran. Am Ende ist der Prüfer auch nur ein Mensch welcher sichergehen will dass IHR sicher vom Motorrad absteigt und euch auch andere Verkehrsteilnehmer überleben :) Glaubt mir, ich habe selber geflippt wie ein Delfin vor den Prüfungen, habe aber beide Prüfung im "First Try" erledigt :)


Mein nächster Eintrag wird das Thema Bekleidung behandeln, ein nicht weniger wichtiger Aspekt beim Motorrad fahren!


Wenn ihr Fragen habt zur Prüfung, zum Ablauf generell oder eure Prüfungsangst teilen wollte - schreibt mir eine Mail an Tekkenklatsche@gmail.com oder schreibt mir einen Kommentar :)

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